Eine zeitlose Garderobe für mehr #Zeitreichtum

Warum euer Kleiderschrank ein Zeit- und Geldvernichter ist

Wir beginnen jeden neuen Tag an der gleichen Stelle: vor dem Kleiderschrank. Und an dieser Stelle gehen für viele Leute die Probleme schon los: „was ziehe ich heute an?“. Ihr müsst euch durch Berge von Klamotten graben und könnt euch nur nach langem Hin und Her für ein Outfit entscheiden, mit dem ihr (hoffentlich) einigermaßen glücklich seid.

Die große Zeit (und Geldverschwendung) geht aber schon viel früher los. Ihr verschwendet Monat für Monat zahlreiche Stunden beim Shoppen, entweder online oder im „real life“. Denkt dabei nicht nur an das tatsächlich Shoppen, sondern auch an die Vorarbeit: das Vergleichen von Preisen, das Lesen von Testberichten, der Weg in die Stadt oder zur Post (um euer Päckchen abzuholen, nur um nach ein paar Tagen wieder die Hälfte zurückzuschicken), das Anprobieren von dutzenden von Artikeln, das Warten an der Kasse, das Bezahlen von Online-Rechnungen, etc.

Natürlich gibt es eure neuen „Schätze“ nicht umsonst. Falls ihr also nicht im Lotto gewonnen habt oder reiche Erben seid, musstet ihr für das neue Paar weiße Sneaker zahlreiche Stunden für euren Boss malochen. Vielleicht denkt ihr gerade noch, dass euch eure neuen weißen Sneaker sechs Stunden eures Lebens wert sind (angenommen die Sneaker kosten 150 Euro und ihr verdient 25 Euro die Stunde; 150 €/25 €= 6 Stunden). Diese Rechnung kommt aber zu kurz, da euer tatsächlicher Stundenlohn vermutlich viel geringer ist (schaut euch folgenden englischsprachigen Artikel zum Thema „tatsächlicher Stundenlohn“ an). Plötzlich müsst ihr für ein neues Paar Schuhe 10 Stunden lang buckeln. Und das, obwohl ihr eigentlich noch einen Schrank voller Schuhe habt.

Warum mich meine zeitlose Garderobe #zeitreich macht

1) Minimalistisch

Über die Jahre ist mein Kleiderschrank nicht größer und voller geworden, sondern immer kleiner und minimalistischer. Die perfekte Anzahl an Kleidungsstücken hängt von eurem Job, euren Hobbys und nicht zuletzt von eurem Wohnort (bspw. Sibirien vs. Florida) ab. Allerdings haben die meisten Leute viel zu viele Klamotten im Schrank.

Ein gutes Selbstexperiment, um herauszufinden, wie viel Kleidung wirklich nötig ist, könnt ihr beim Projekt 333 machen. Die Regeln sind denkbar einfach: für drei Monate benutzt ihr lediglich 33 Kleidungsstücke. Sowohl Herr als auch Frau Zeitreich haben das Experiment schon mehrfach durchgeführt und es ist jedes Mal wieder spannend zu sehen, wie wenig Kleidung man eigentlich benötigt.

Langfristig gesehen ist es mir aber zu umständlich, immer wieder die überzähligen Kleidungsstücke zu verräumen. Inzwischen habe ich eine Garderobe mit ca. 65 Stücken. Wenn ihr jetzt denkt, dass sich das nach viel anhört, täuscht ihr euch. Zählt einfach mal eure eigenen Klamotten und vermutlich werdet ihr über hunderte von Kleidungsstücke staunen.

Regel Nummer 1:

Alles, was ich in den letzten 3 Monaten nicht getragen habe, kommt weg. Ausgenommen sind dabei saisonale Kleidung und Kleidung für spezielle Anlässe (Winterjacke, Wetsuit, ein Sakko für Hochzeiten).

2) Zeitlose Kleidungsstücke vor kurzweiliger Fashion

Ich bevorzuge Kleidung, die ich auch noch in 5 oder 10 Jahren tragen würde. Das heißt, dass ich inzwischen schrille Farben, große Prints und den neuesten Schrei der aktuellen Saison vermeide. Ich bin damit vielleicht nicht immer up-to-date, aber deshalb noch lange nicht schlecht gekleidet.

Einige Beispiele:

  • Bei T-Shirts wähle ich klassische Farben (grau, weiß, schwarz, blau) mit einem Rundhals- oder V-Ausschnitt.
  • Meine Hosen beschränken sich auf eine Levis Jeans und Chinos in klassischen Farben (braun, blau, schwarz).
  • Ich besitze genau drei bügelfreie (die Entdeckung schlechthin; davor habe ich nie Hemden getragen, weil mir das Bügeln zu lästig war) Hemden, natürlich in klassischen Farben (blau, weiß, blau mit dezentem Muster).
  • Meine Schuhe sind in der Regel langlebige Klassiker, die ich für unterschiedliche Dinge verwenden kann und die sich leicht Pflegen lassen. Bspw. ein Paar Salomon Trail Running Schuhe, die ich sowohl zum Joggen als auch zum Wandern anziehe. Ein Paar Timberland Boots, die ich sowohl zur Arbeit als auch für die morgendliche Runde mit dem Hund anziehen kann. Ein Paar Red Wing Schuhe im Oxford Style, die ich im Sommer für so ziemlich alles anziehen kann (Arbeit, Freizeit, Hochzeiten, etc.).

Die genannten Kleidungsstücke lassen sich in der Regel problemlos kombinieren. Außerdem fällt es niemandem negativ auf, wenn ihr Woche für Woche mit einem grauen Shirt zur Arbeit kommt. Wenn ihr allerdings ein ausgefallenes Shirt mit riesigem Print wieder und wieder zur Arbeit anzieht, sieht das irgendwann vermutlich komisch aus. Der größte Vorteil kommt allerdings bei der Anschaffung, die ich euch im nächsten Punkt genauer erkläre.

Regel Nummer 2:

Zeitlose Kleidungsstücke vor kurzweiliger Fashion.

3) Sehr gute/gute 2nd Hand Artikel vor Neuware

Der Vorteil an zeitlosen Kleidungsstücken ist, dass diese schon seit Jahren oder Jahrzehnten produziert werden, sehr beliebt sind und deshalb ohne Probleme 2nd Hand zu finden sind.

Zunächst mal ein kurzes Wort an alle Skeptiker, die sich aus hygienischen Gründen nicht an gebrauchte Klamotten trauen. Bei den meisten online 2nd Hand Händlern könnt ihr den Zustand filtern. Ich kaufe in der Regel nur Kleidung, die in einem sehr guten/guten Zustand ist. Danach wasche ich sie zu Hause einmal ordentlich in der Waschmaschine und mache mir dann nie wieder Gedanken darüber. Probiert es vielleicht zunächst mit „harmloseren“ Kleidungsstücken aus, beispielsweise einer Jacke oder einem Pullover, und arbeitet euch dann Hoch in die Premier League, beispielsweise 2nd Hand Laufschuhe. Ich verspreche euch, dass ihr nicht die Pest oder Cholera bekommt und niemand bemerken wird, dass eure Kleidung auf eBay und nicht in der Innenstadt gekauft wurde.

Jetzt wo wir dieses Problem aus dem Weg geschafft haben stehen euch die Tore weit offen für ungeahnte Schnäppchen! Wenn ihr denkt, ihr würdet in der Stadt super Deals im Ausverkauf machen, täuscht ihr euch. 2nd Hand könnt ihr euch an reduzierte Preise von 50 % – 90 % gewöhnen, und zwar immer.

Dafür müsst ihr nur einige Tricks beachten:

  • Sucht nach dem Kleidungsstück bei allen Online Börsen: eBay, eBay-Kleinanzeigen und Kleiderkreisel sind die Adressen meiner Wahl.
  • Verhandelt mit euren potenziellen Verkäufern, und zwar immer!
  • Habt Geduld. Häufig zahlt es sich aus, nicht erst im letzten Moment nach etwas zu suchen.
  • Haltet die Augen offen. Für gewisse Artikel habe ich eine gespeicherte Suche bei eBay-Kleinanzeigen (hier eine kurze Anleitung dazu). Ich brauche beispielsweise ein bis zweimal pro Jahr ein Paar neue Laufschuhe, da ich viele Kilometer in ihnen mache. Ich habe deshalb bei eBay-Kleinanzeigen eine gespeicherte Suche für den Salomon Ultra Pro in 46 2/3. Jedes Mal, wenn dieser neu eingestellt wird, erhalte ich eine Mail. So habe ich ihn schon mehrfach für +/- 50 Euro statt 160 Euro gekauft und er war jedes Mal wie neu (ca. 2 – 3 Mal getragen).

Regel Nummer 3:

Wo möglich sehr gute/gute 2nd Hand Artikel vor Neuware kaufen.

4) Qualität/Preis stimmt im Verhältnis

Eine minimalistischen Garderobe, die ihr noch dazu 2nd Hand gekauft habt, hat einen riesigen Vorteil: Ihr könnt bei diesen Kleidungsstücken auf eine wesentlich bessere Qualität achten.

Das bedeutet nicht, dass alles nur noch vom teuersten Hersteller sein muss. Aber dort wo es Sinn ergibt, könnt ihr problemlos in hochwertige Kleidungsstücke investieren.

Ich kaufe beispielsweise nach wie vor relativ günstige Socken. Zum einen, da ich diese nicht gebraucht kaufe. Zum anderen, weil mich die Qualität der Laufsocken von Decathlon überzeugt hat. Außerdem trage ich diese für alle Zwecke (nicht nur zum Laufen) und kann dadurch meine Garderobe verkleinern.

Auch bei T-Shirts habe ich festgestellt, dass es schwierig ist, sehr gute/gute 2nd Hand Ware zu bekommen. Hier setze ich auf die vergleichsweise günstigen Shirts von Uniqlo. Diese stehen meiner Meinung nach den teuren Marken in nichts nach: gute Passform (für mich), verändern sich nicht in der Größe (auch noch dutzenden von Waschgängen), verlieren nicht an Farbintensität und sind so immer wieder erhältlich (d.h. ich muss bei einem Neukauf nicht wieder von vorne anfangen und verschiedene Shirts anprobieren etc.).

Anders verhält es sich bei Schuhen. Beispielsweise habe ich in ein paar hochwertige Red Wing Schuhe investiert: Diese kann ich ohne Probleme für viele Jahre tragen und dann nochmal neu besohlen lassen. Ich trage sie fast täglich und deswegen habe ich gerne den teureren Anschaffungspreis bezahlt. Da ich sie 2nd Hand (wie neu) gekauft habe, konnte ich sie mit etwas Geduld für 120 Euro statt 260 Euro bekommen.

Auch bei meinen Laufschuhe will ich keine Abstriche eingehen. Ich laufe jede Woche 40 bis 70 Kilometer und habe deshalb einen recht hohen Verschleiß an Laufschuhen. Allerdings spare ich mir die Zeit und das Geld, alle 6 Monate wieder die neuesten Laufschuhe durchzuprobieren. Ich habe ein gutes Paar für Stadtläufe (Brooks Ghost) und eines für Trail Running (Salomon Ultra Pro). Mehr benötige ich nicht und diese kann ich immer wieder 2nd Hand in einem sehr guten Zustand für einen Bruchteil des Originalpreises erhalten.

So wäge ich bei jedem meiner Kleidungsstücke ab, ob sich eine hochwertigere Qualität wirklich lohnt oder ob ich auch einen günstigeren Artikel kaufen kann, der seinen Zweck erfüllt.

Regel Nummer 4:

Das Verhältnis zwischen Qualität und Preis muss passen.

Warum die ganze Mühe?

Du fragst dich jetzt vielleicht, warum du dir so viele Gedanken und Arbeit um deine Garderobe machen solltest.

Ich verspreche dir, dass dir die zeitlose Garderobe langfristig Unmengen an Geld und Zeit sparen wird! Sowohl in der Anschaffung als auch später im Alltag.

Wenn du einmal die Umstellung vorgenommen hast, wirst du nur noch an Kleinigkeiten feilen müssen. Natürlich gibt es Stellen, an denen du eine Ausnahme machen kannst. Ich will nicht, dass du nur noch mit einer „Uniform“ durch die Gegend läufst. Auch ich habe eine quietschgelbe Outdoor Hose, die mit Sicherheit nicht mit vielen Dingen kombinierbar ist und auch nicht wirklich für die Arbeit taugt (und trotzdem sortiere ich sie nicht aus).

Wie bei so vielen Angewohnheiten und Verhaltensweisen geht es darum, bei einem Großteil der Entscheidungen (nicht allen) klug und mit Weitsicht zu handeln. Denn am Schluss sind es die vermeintlich kleinen Dinge, die zusammengenommen den großen Unterschied machen.

In 15 Jahren wird dich vermutlich niemand Fragen, warum du damals nicht das neueste Paar weiße Sneaker getragen hast. Aber deine Freunde und Kollegen werden dich mit Sicherheit Fragen, wie du es dir leisten kannst, überhaupt nicht mehr/nur noch wenige Stunden die Woche zu arbeiten und stattdessen deine Träume und Wunschprojekte zu verfolgen.

Wenn du die Wahl hättest…

To-do-Liste: #zeitreich werden

  • Teste das Projekt 333 und minimiere deine Garderobe.
  • Kaufe ein 2nd Hand Kleidungsstück (bspw. bei Kleiderkreisel oder eBay-Kleinanzeigen).
  • Speichere eine Suche bei eBay-Kleinanzeigen für ein Kleidungsstück, das du immer wieder/in nächster Zeit kaufen musst (hier findest du die Anleitung).

Wie immer freut sich Herr Zeitreich über Kommentare zu euren eigenen Erfahrungen. Wie geht ihr mit eurer Garderobe um und konntet ihr etwas aus dem Artikel in die Tat umsetzen?

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